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90 Bilder Leben



Ich löse auf, ich löse jetzt den Nachlass von meinen Vater auf. Damals nach seinem Tod habe ich alles was blieb in eine schwarze Mappe gestopft, was ich von ihm noch hatte, den das Inventar seiner Wohnung verteilte ich an Freunde, seine Smokings übergab ich der Heilsarmee, die Hong Kong Pornosammlung verkaufte ich an zwei alte Chinesen unbekannter Herkunft, eine Pole stritt sich mit einer Thaitranse um die Sessel, Videorecorder behielt ich, Fernseher wollte ebenfalls der Pole haben und vieles davon ging auf den Sperrmüll. Der Rest blieb in meinem Kopf und diese schwarze Mappe mit 90 Bildern blieb.

11 Passbilder 7 davon zeigen meinen Vater in den Phasen des Lebens, der Blick immer Ernst und entschlossen. 2 Passbilder zeigen zwei Männer, die ich nicht kenne, vielleicht Freunde oder Verwandte, einen Gruß aus der Erinnerung, man kannte wohl die Bedeutung vom Wort Lebewohl. 1 Passbild zeigt eine Frau, feines Gesicht, schmale zarte Lippen gezupfte Augenbrauen und schwarze lange Haare gebunden zu einen Knoten. Sehr hübsch.

10 Bilder, die alle Polaroids sind, zeigen meinen Vater mit verschieden Frauen. Auf einen Bild hat eine Frau eine durchsichtige blaue Bluse an, sie versucht eine ihrer Brüste mit Ihrer Hand zu bedecken, die andere bedeckt mein Vater entschlossen und grinst frech in die Kamera. Es wird viel getrunken und geknutscht. Ein Sofortbild Orgie.

13 Bilder sind auf meinen elften Geburtstag geknipst worden. Standesgemäß wurde in der Mittagspause im Chinarestaurant gefeiert, zwischen drei und sechs Uhr ein Jahr älter geworden. Mit am Tisch sitzen Kellner, Köche und die Kumpels von meinen Vater. Als Geschenk bekam ich ein Spielzeug Porsche als Polizeiauto, stolz halte ich ihn in die Kamera, dahinter haben sich ebenfalls stolz alle Chinesen aufgebaut.

1 Bild zeigt meine chinesische Großmutter auf einen Klappstuhl vor einen weißen Hintergrund, die Hände auf das rechte Knie gestützt, der Blick hart und sehr streng. Nie durfte ich das Bild anrühren oft wurde ich angehalten, das Bild nie wegzuwerfen oder es zu vergessen. Das Bild flößte mir Respekt ein und bekam einen extra verstärkten Umschlag bloß nicht die Alten und Toten verknicken lassen.

4 Bilder sind Aufnahmen von Hochzeitsfeiern, auf
zwei Bilder bin ich und mein Vater, ich links in meinen Anzug neben der rosa gehüllten Braut und mein Vater rechts wie immer im Smoking, den er fast immer trug außer zum Kochen, merkwürdig wir haben beide das gleiche lächeln und die gleiche schiefe Haltung, die Braut ist gerade.

13 Bilder haben immer das selbe Motiv. Ein Küche in einem Chinarestaurant und mein Vater am Wok. Die Wokbilder, man könnte meinen er hätte sich nie fortbewegt immer nur rühren braten, immer die gleichen Küchen, aber der Mann wird immer älter. 40 Quadratmeter China jeden Tag an 14 Stunden ein halbes Leben lang.

19 Bilder wurden von meinen Vater auf verschiedenen Feiern wie Restauranteinweihungen, Neujahrsfeste oder Hauspartys gemacht. Auf drei Bildern hat mein Vater einen großen Stoffesel der schielt als Begleiter, er sitzt mit dem Esel an einem Tisch, es wird Whiskey getrunken, im Hintergrund hängt ein Bild des Hamburger Hafens, alle sind betrunken und rauchen Ernte 23. Später steht mein Vater mit dem Esel auf der Strasse und hat eine Frau in seinem Arm und küssen sich und auf dem letzten Bild aus der Serie Esel, sitzt der Stoffesel auf einen französischen Bett auf einen rosa Badetuch und wird von meinen Vater umarmt. Ich vermisse die Frau , die er geküsst hat.

3 Bilder sind von meiner Mutter. Das älteste ist in schwarzweiß und ist in einen Fotostudio 1962 aufgenommen worden. Mein Vater im Anzug vornehm und meine Mutter in einem Kostüm alles sehr schick und ordentlich noch heute schwärmt sie davon. Es könnte ein Hochzeitsbild sein, es war aber nur Mimikry, die beiden waren nie verheiratet. Die Ehe war wild und ging quer durch Deutschland und endet erfolgreich mit dem Auszug meiner Mutter aus dem Reihenhaus in Wedel.

9 Bilder sind sehr alt und wurden wohl irgendwo in Asien aufgenommen, mein Vater als junger Mann in China. Meist hat er Haltung auf den Bilder, man hatte noch Respekt vor dem Wunder Foto. Auf manchen Bilder stehen chinesische Widmungen, vielleicht sind auch nur Informationen wie zum Beispiel „..ging mir schlecht zu viel Reiswein...“ oder „..toller Anzug damals..“, egal vielleicht werde ich es mal erfahren.

2 Bilder zeigen einen Chinesen vor einen schwarzen Vorhang er trägt ein Hemd, Shorts und Sandalen. Er stemmt seine Arme in die Hüften, als wolle er sage hier bin ich und geh nicht mehr. Eine Ansage. Mein Vater erzählte mir immer, dass das mein Bruder in China sei, von dem ich bist jetzt nicht weiß, ob es ihn noch gibt. Aufgenommen wurde das Bild im Mai 69 in Feis Photography Shop. Würde gerne wissen wo er ist.

5 Bilder haben mich und meinen Vater als Leitmotiv. Die meisten Fotos zeigen uns beim essen jedes mal
bei irgendwelchen chinesischen Feiern. Mein Lieblingsfoto wurde ausnahmsweise mal nicht in einem Restaurant aufgenommen, es zeigt uns spät in der Nacht irgendwo auf St.Pauli vor einer Drogerie, es war einer der klassischen Tage, mein Vater rief mich an und bestellte mich irgendwo hin und dann konnte es sehr lang werden. Nie wusste ich was auf mich zukam. Der Drache konnte lange tanzen. Diese Anrufe vermisse ich.

90 Bilder blieben von einem Leben, verteilt auf einen Tisch, hübsch sortiert zu kleinen Haufen. Ein Leben braucht nicht viel Platz denke ich und fange an zu schreiben.
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kungshing, Mittwoch, 22. September 2004, 13:35
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Kambodscha im Kopf, Chop Suey im Herzen










September 1963, SS Tasman, Golf von Thailand vor Kas Kang

Er läuft schneller und schneller. Raus aus dieser Stadt. Er rennt vorbei an den schreienden Menschen, Leichen und Verletzte liegen rum, Flüchtlinge verstopfen die Strassen, Karren mit Hab und Gut, ein aufgerissner brennender Ameisenhaufen. Er sieht das nicht, er will raus, seine Uniform stinkt nach Kot, Schwefel, Blut und Schweiß, tagelang hat er gekämpft. Einschläge, Granaten explodieren, die japanische Artillerie feuert in die Stadt. Er hört ihr Gewehrfeuer näher kommen. Die Guomindang Soldaten versuchen ihre Uniform loszuwerden, sie wollen wieder Bauern werden, aber plündern und verkleiden gehen nicht schnell genug. Er stolpert über einen Toten und liegt fast auf seinen Gesicht, er riecht nur Eisen. Er will sich aufrichten, dreht sich um, über ihn ein japanischer Soldat der schreiend ein Bajonet in ihn hineinstößt.
Pang schreit laut auf und Augen weit geöffnet. Nur ein Ventilator an der Decke, der sich langsam dreht und Fliegen die sich jagen. Der Alptraum von Nanjing, immer wieder, seine Hand wandert zu seiner Narbe unten am Bauch, eine Narbe wie ein Gebirge zerteilt seinen Körper. Guter Norman Bethune flickte immer wieder Menschen zusammen, egal wie, zur Not mit Draht. Jetzt hatte er einen Nordpol und Südpol und hatte trotzdem kein Gleichgewicht .Er sitzt in seiner Koje, er teilt sich die mit Cheng dem Mechaniker vierter Klasse. Tief im Bauch neben dem Maschinenraum teilen sich 18 Drachensöhne fünf Kojen. Er starrt auf das Mahjong Spiel, die Steine liegen verstreut, keine Mauer hält das Meer auf. Vor bei an dem holländischen Ingenieur, der ihn beschimpft, Pang würde gerne sich gerne beschimpfen lassen, aber er versteht nichts, er will es auch nicht, es reicht ihn, wenn er Ihre Bewegungen und Mimiken versteht.
Er geht an Deck und hat eine Blecheimer in der Hand. Er geht in die Hocke wirft lauter Himmelsgeld in die Tonne, er zündet es an, er wirft lauter Himmelsgeld in Tonne. Manche Scheine fliegen brennend hoch und erlischen in der See. Cheng kommt dazu, guter alter Cheng die Märsche durch die Mandschurei er folgt ihm seitdem wie eine alter Hund. Cheng fragt warum er das mache und warum er die Toten ehrt. Pang schaut ihn an, die Sonnen blendet, er sagt, er ehrt sein altes Leben, das sei von nun an Tod, er will in Hamburg von Bord gehen. Cheng weint, denn er weiß, im neuen Leben gibt es keine Mandschurei mehr.

Siam Rep, Kambodscha, April 2003

Sieben Tage Kambodscha fotografiert , eine Reportage, vom Auge in den Kopf, einen alten Mann, mit dünner brauner Haut, wie mein Vater, als er alt war, die Gerüche wie in der Speiskammer im unseren alten Chinarestaurant, Männer die in sehr hohen Oktaven lachen, der Duft von Räucherstäbchen, lange war ich nicht mehr so tief in Asien. Bewegungen, Gestik, Mimik, dazu die Hitze, immer mehr alte Bilder in meinen Kopf kommen wieder und vermischen sich mit meinen neuen Bildern. Ich sehe mich selbst im Sucher. Praschl sagte, das wir noch nicht wissen werden, was diese Reise aus uns machen wird, sondern erst später.
Ich habe versucht die sieben Tage zu verdoppeln, wenn Praschl schlafen ging, schlich ich mich aus dem Hotel auf der suche nach meinen Erinnerungen. Meine letzte Nacht. Mir ist heiß, die Klimaanlage schafft das Zimmer nur auf 24 Grad abzukühlen. Ich muss nochmal raus. Morgen werde ich wieder Hundmüde sein. Ich gehe runter in die Lobby, eine Mächtige Lobby aus Mahagoni und Teakholz, der deutsche Gutmensch würde bei diesem Anblick aus Protest eine Lichterkette veranstalten. Das Personal döst, an der Bar läuft indisches MTV, Elefanten tanzen um eine nackte Frau und ein aufgeregter Sikh tanzt dazu. Ich schau rauf zur großen Buddhastatue, die an der Tür steht, er schaut streng, seine Augen deuten auf den Ausgang. Draußen erschrecke ich den Portier und er will salutieren, er merkt, das die neue Uniform ein Lächeln verlangt und mit seiner neuen Sprache Englisch fragt er mich, ob ich ein Tuktuk brauche. Warum nicht, ich kann morgen im Flieger pennen. Ich sage dem Fahrer, er soll mich irgendwo hinfahren, wo noch was los ist. Ich schwing mich in meine Karre, die Honda knattert beruhigend und der Fahrtwind kühlt, noch einmal will ich in meinen Genpool tauchen, vielleicht werde ich ersaufen, aber ich schlafe ein. Im Traum stehen ich auf Eis mit Praschl wir beide schwitzen, um uns herum hocken lauter Khmerkinder und gackern, denn wir sind nackte Elefanten, die sich wie irre drehen, mein Vater ist der Dompteur und will uns in eine Hütte treiben. Plötzlich spüre ich eine Hand und erschrecke, es ist der Fahrer, der mich weckt, seine Goldzähne sind stumpf und grinsen. Ich bin aufgetaucht vor einer Bar die Pink Lychee heißt, der Eingang zum Garten wird von zwei Löwen bewacht. Hier sitzen nur männliche Gäste, junge Frauen auf ihren Schoß, manche spielen Karten und andere zerpflücken einen Karpfen flink mit ihren Stäbchen, dabei füttern sie ab und zu die Frauen, die Beergirls sie kichern und massieren die Nacken der Männer. Ich schnappe Wortfetzen in chinesisch auf, Urenkel von Schmugglern, Piraten und Händlern. Ich setze mich in einen Sessel und bestelle Bier. Ich schaue mir die Gesichter genau an, vielleicht kenne ich jemanden. Zwei Besoffene üben sich an der Karaokeanlage und beginnen etwas von Celine Dion zu kreischen. Ich bin glücklich, die Lampions wiegen sich im Wind, es duftet nach Yasmin und die Discokugeln drehen sich wie Sputniks unter dem klaren Himmel. Hier sitzen wir, ein jeder in seinem Plan verloren und froh darüber das Gedachte zu vergessen . Mein Lächeln wird breit, so breit, das sich eine junge Frau angesprochen fühlt. In ihrem hochgeschlitzen gelben Seidenkleid setzt sie sich zu mir, ich betrachte ihre kleine Brust die mit glitzerten Kirschblüten zugestickt ist, darüber baumelt ein Tropfen aus Jade. Sie fragt mich, ob ich aus Singapur bin. Komisch hier fragen mich viele Leute ob ich aus Singapur komme, die Idee gefällt mir. Ihr Name ist Lyn und sie ist die Besitzerin von dem Laden, Lyns Haare sind zu einen Bob geschnitten, sehr genau und sehr mathematisch, immer wenn sie ein Lichtreflex trifft, schimmert ihr Haar schwarzblau. Ich erzähle ihr von meiner Arbeit. Wir beide stellen fest das unsere Väter Chinesen sind, beide waren Seeleute, ihr Vater ist irgendwann Kambodscha hängen geblieben und mein Vater in Hamburg. Wir beide lachen, begeistert hüpft der Jadetropfen auf ihrem Busen dazu. Ein kleiner Mann singt jetzt irgendwas von Brian Adams und die Musikboxen wehren sich dagegen. Lyn und ich hören schweigend zu. Ich trinke aus und will gehen. Sie nimmt meine Hand und geht mit mir an die Bar und wühlt in einer Schüssel mit Krimskrams, kleine Autos, Kugelschreiber, Murmeln, Plastikindianer, einen FC. St Pauli Anhänger, Streichhölzer, Münzen aus verschieden Ländern, eine Sammlung vergessener Andenken. Stolz wie eine Anglerin hält sie mir einen goldenen Plastikdrachen vor die Nase was für ein Fang. Sie schenkt ihn mir er soll mir Glück bringen. Schweigen verabschieden wir uns. Mein Tuktukfahrer schmeißt die Honda an und die Chinesen singen jetzt New York, New York. Big Apple ist weit. Im Hotel stehe ich sehr verloren und einsam da, für einen Moment möchte ich weinen, es gibt Tage da begreifst du deine Träume, wie ein Regenschauer, plötzlich, heftig und unerwartet bist du nass und bist zufrieden. Ich hole aus meiner Hosentasche den kleinen Drachen raus und schaue rauf zu Buddha in der Lobby. Buddha lächelt.
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kungshing, Donnerstag, 22. Juli 2004, 15:05
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Wie ein Chinese schläft



Reisfresser und Schlitzauge, Beschimpfungen vom Schulhof und Spielplatz ließen keinen Zweifel damals ich war anders. Ein Chinese. Ich mußte deshalb mal zum Arzt, denn bei einer schulärtzlichen Untersuchung in der ersten Klasse, stellte der Arzt fest, das ich schiele. Also ging ich zum Augenarzt, der stellte fest, das ich aufgrund meiner rassischen Merkmale Mongolenfalten besitze, halt Schlitzaugen.
Meine Mutter lebte getrennt von meinem Vater weit weg von Hamburg in Duisburg und hatte ihn früh verlassen und ich konnte mich nicht mehr an ihn erinnern. Eines Nachmittags war ich mitten in einer Schlacht auf dem Teppichboden, ich hatte gerade hunderte von Plastiksoldaten aufgestellt, da klingelte es an unser Tür. Ich öffnete die Tür und da stand ein Fremder. Ein Chinese.
Er trug einen langen blauen Lodenmantel, einen Smoking, einen blauen Rolli und eine blaue Prinz Heinrich Mütze. Dieser alte Mann nahm seine Zigarre aus dem Mund beugte sich runter, kniff mir in die Wange, lachte und sagte "Kung Shingaaaaaa". Anscheinend war ich damit mit Kung Shingaaaaaaa gemeint. Meine Mutter und meine beiden Schwestern kamen an die Tür gerannt. Meine Mutter war merkwürdig aufgeregt, da stand nun mein Vater nach fast zehn Jahren vor ihrer Tür. Er setzte sich und freute sich. Er redete mit meiner Mutter in einer Sprache die ich vorher nie gehört hatte, sie hatten ihre eine eigene Sprache, ein Kauderwelsch aus Deutsch, Chinesisch und Englisch. Mein Vater war zufällig in der Stadt und wollte jetzt mit mir den Nachmittag verbringen. Ich zog mich an und stopfte mir noch ein paar Plastiksoldaten in die Hose, so als Schutz.
Auf der Strasse winke mein Vater ein Taxi ran und wir fuhren in ein Chinarestaurant dort wurde ich dann allen vorgestellt oder vorgeführt, alle kniffen mir in die Wangen und lächelten, ich sei also der Kung Shingaaaaa. Mein Vater ging in die Küche, wo er den Köchen etwas zeigte, was mächtig Flammen machte. Die Köche waren begeistert und klatschten. Er beschloss an diesem Nachmittag für die Belegschaft und zur Feier des Tages zu kochen. Die Chinesen deckten schnattern den Tisch und steckten mir kleine rote Umschläge mit Geld zu. Ich trank Fanta und war verwirrt und neugierig zugleich. Es gab merkwürdiges Essen Entenfüße, kleine bunte frittierte Fische, ganze Hühner mit Kopf in scharfen Soßen, Nudel mit allen verschiedenen Füllungen und Obst was stank. Ich mochte davon nichts und aß nur Reis mit Sojasoße. Nachdem Essen erklärte mir einer der Kellner mit einer hohen Stimme, das man jetzt einen Mittagschlaf machen würde und mein Vater hinterher mit mir einkaufen geht. Die Chinesen verteilten sich im Restaurant, einer legte sich hinter dem Tresen, ein anderer legte sich auf eine Bank und andere wiederum hockten sich dösend hin. Aber mein Vater machte einen Schneidersitz zündete sich eine Zigarette an, trank ein wenig Hennesy und schaute mich an. Es war still. Nach einer Weile verschränkte er seine Arme, so als wollte er sich selber halten, dann nickte sein Kopf nach unten und er schlief ganz fest.
Jahre später besuchte ich ihn regelmäßig in seiner Wohnung auf St.Pauli und wenn er mir nicht öffnete, wußte ich, dass er schlief. Dann öffnete ich seine Haustür, aus dem Cassettenrecorder dudelten Hong Kong Schlager, in der Küche blubberte ein großer Suppentopf und mein Vater saß im Schneidersitz auf dem Bett, das aus mehreren Matratzen bestand und schlief, dann wurde er wach, lächelte mich an und sagte Kung Shingaaaaaaaaaa.
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kungshing, Sonntag, 23. Mai 2004, 19:53
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Lost in translation

Meine erste Austellung. Was der Restalkohol übrig ließ.

Ach Sie sind kein Steinbock, das sieht man auf dem Bildern. Sie sind Skorpion? Ja, das ist Schöpfung.

Es gab so ein ähnliches Projekt. Wie hieß doch der Fotograf?Ach ja alles vor weiß. Sehr streng. Irgendwie anders.

Knuth, kannst du mir nicht die Telefonnummern von den Fotografinnen geben.

Wissen Sie, dass ihre Bilder alle rechtsabfallend sind. Wenn ihr Bild ein Glas Wasser wäre, würde es jetzt auslaufen.

Soziologisch interessant. Ich bin dreißig Jahre Fotograf. Aber ich kenne keinen auf den Bildern. Kommen so viele junge Fotografen zu Ihnen?

Wieso alles in Farbe? Aber die Wände sind schön. Kann man die verstellen?

Gabs schon mal. Irgendwas in Farbe. Ich glaub Jürgen Teller hat das gemacht. Stehen alle vor seiner Tür.

Ist es nicht gemein, Fotografen zu fotografieren. Ich mein, die konnten sich doch nicht wehren.

Alles chronologisch, man erkennt es am besten an den Klamotten, die die Leute tragen. Eine tour de Fotografie.

Kung Shing? Das ist aber nicht deutsch.

Ich hätte ein anderes Objektiv genommen, mehr 50mm, eben mehr Nähe. Man will doch Nähe. Und größer sollten die Abzüge sein. Man erkennt nichts. Wir haben doch das Glück, als Fotograf den Moment so nah zu zeigen.

So ein Projekt gab es in den 70ern in den USA. Alles vor grau.
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kungshing, Sonntag, 16. Mai 2004, 10:08
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