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Spirit of St.Louis

Mitten im Tumult zwischen Deadline und der Jagd nach Bildern mitten im nichts taumele ich durch die Redaktion neue Chefs, neue Geschichten, viel Aufgeregtheit, viel Hysterie, viel Übertreibungen, die Geschichte geht gar nicht, das Bild passt nicht. Warum? Was denkst Du? Geht das? Dann ein sehr hartnäckiges Klingeln an meinem Telefon. Es meldet sich Will McBride mit einer Stimme die sich nicht auskennt in dieser Stadt. Er hat fünf Minuten Zeit für mich ich, ich frage ihn, ob er nicht Lust hat mit mir Essen zu gehen. Er sagt zu und etwas später steht er vor mir. Ein Riese von Fotograf. Er ist groß, sehr groß er steht da und lächelt mich an und da sind diese Augen klar, grau oder blau. Ich weiß es nicht mehr. Aber tolle Augen.
Wir gehen zu Fuß ins Restaurant. Ich erzähle ein wenig von mir und er antwortet immer mit "Oh Schön oder "Oh toll" und lächelt immer dabei. Sehr entspannt schlendern wir die Strasse runter und übersehen rote Ampeln. Autos müssen bremsen.
Dann sitzen wir und er entschuldigt sich für seine Unruhe, er hätte noch einen wichtigen Termin. Ich denke mir, dass es nicht seine Art ist, dafür ist er zu verträumt und zu nett. Er zeigt mir seine Gemälde und Fotos all die Bilder aus Twen. Unruhig bittet er den Kellner das Essen zu bringen. Er schaut auf seine Digitaluhr. Die Zeit läuft. Ich schlage ihn vor er könne das Essen auch einpacken lassen. Er lehnt sich zurück und wir müssen auf einmal beide sehr lachen, die Vorstellung er sitzt einem Artdirector mit dampfenden süß sauren Schweinefleich gegeüber ist schon komisch. Er entspannt sich. Nein sagt er, diese Unruhe ist nicht seine Art. Er entschuldigt sich abermals. Wir essen und reden über Restaurants, über seinen Sohn Brian, über Leica, wie er langhaarig Franz Josef Strauß fotografiert hat, der dann anschließend zu ihn sagte, das er ihn nicht an die Wahlurne lassen würde, er erzählt über Romy Schneider und über Gillhausen in der Toskana. Wir essen so vor uns hin, da fragt er mich, was denn Asiaten nach dem Essen am liebsten täten. Ich antworte, das sie am liebsten schlafen. Er lacht mich an und sagt er sei dann sehr asiatisch. Seine Jeans und sein Hemd haben kleine Farbflecken von Gemälden, die in seiner Galerie hängen. Eine Kollegin kommt vorbei und winkt uns zu. Er freut sich darüber und findet es toll wenn man gute Kollegen hat. Er redet über sein Viertel in Berlin die Schönhauserstrasse ,er mag dieses Nest. Sein Taxi kommt, sein wichtiger Termin rückt näher, seine Hektik nimmt zu. Zum Abschied reichen wir uns die Hände mit seinen beiden riesigen Händen umschließt er meine Hände, sie versinken in einen sehr warmen und freundlichen Menschen. Die Hände eines Bildhauer. Er bedankt sich für die Einladung dann geht er und winkt zum Abschied aus dem Taxi wie ein kleines Kind.
In der Redaktion das übliche Tuen und Gehabe. Ich sitze an meinem Schreibtisch und bin beeindruckt, spüre noch seine Hände und dann diese Augen so klar, ich glaube grau oder blau, ich weiß es nicht mehr.
Das Foto stammt aus "Das Vater Unser" von Will McBride ich kann allen intressierten Menschen nur "I, Will Mcbride" empfehlen erschienen im Könemann Verlag.
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kungshing, Freitag, 9. Juli 2004, 17:53
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Nackt
Lustig wie meine Härchen auf den Armen hier im Abendlicht schimmern. Gott seit Dank ist es warm und ich liege auf einen Teppich. Mein Po juckt, bestimmt liegen hier Krümel, die pieksen. Ich liege nackt unter einem Glastisch, wenn ich das jemand erzähle, das glaubt mir keiner. Ich behalte es für mich.
Was holt er denn jetzt, wann hört der Mann auf zu essen. Aber ich bin froh, dass ich heute meinen schier und glatt Tag hatte, das heißt, ich mache halt alles schön, entferne alles, Haare und so. Ich glaub, ich muß mal mein Knie anheben, mein Fuß schläft sonst ein. Aufpassen, sonst stoße ich wieder gegen die Glasscheibe, vorhin ist die Spargelsuppe ein wenig übergewappt. Er hat das mit seinem Taschentuch weggewischt und hat mir, glaube ich zwischen die Beine geschaut, aber er hat ruhig weitergegessen. Schöner Sonnenuntergang, ich würde gerne wissen, wie lange ich hier schon liege. Er sagte, ich müsste mich komplett ausziehen, er wollte nicht mal Schmuck, dann sollte ich duschen und er wollte zuschauen, und dann mußte ich mich unter den Glastisch legen. Erst hat er Briefe geschrieben, ein Brief muß an ein Kind gegangen sein, denn Pu der Bär starrte mich die ganze Zeit von oben an. Er sagte mir, er würde nur Hotels nehmen, die Glastische haben. Das Hotel ist spitze, ein echtes Designhotel. Oh er schaltet den Fernseher ein und schaut Arte, langweiliger Scheiß über Theater, er könnte doch mal Rtl oder MtV anmachen. Als wir in diesem sehr teuren Hotel ankamen, hatte ich das Gefühl, dass mich alle anschauen, die haben doch gedacht, ich sei eine Nutte oder sowas. Ich war mal mit meinen Freundinnen hier zum Kaffee trinken. Der Cappuchino hat fast acht Euro gekostet und jetzt liege in der Suite unter einen Tisch. Alleine das Bad ist größer als meine Wohnung. Jetzt schaut er auf meine Brüste. Er betrachtet mich, als wäre ich eine Landkarte. Ich müßte lange liegen bleiben, sagte er, und bitte nicht zu oft bewegen. Lustig, wie das Rotweinglas von hier unten sich zur Decke streckt. Jetzt schiebt er wieder diese Glaskugel hin und her, aber am liebsten stellt er sie auf meine Möse. Ich würde 500 Euro bekommen, ich meine, ich habe sie schon bekommen, naja ein bißchen wie Nutte fühle ich mich doch. Herrje mein Nacken tut mir weh. Oh er hat es gemerkt. Er ist aufmerksam und sehr freundlich. Besser mit dem Kissen, wau das ist von Versace. Ich lege mich jetzt auf den Bauch. Vielleicht erlaubt er es. Oh er winkt schon ab. Jetzt ißt er sein Steak. Er hat alles an der Tür angenommen, damit der Zimmerservice nicht reinkommen muß und er gibt reichlich Tip. Hunger würde den meisten Frauen zu schaffen machen, wenn sie unter dem Tisch liegen, aber er versprach mir, mit mir hinterher Essen zu gehen. Komisch, er ist nur am Kauen, ob ich nun meine Beine spreize oder nicht, er ißt. Nichtmal im Schritt tut sich was. Angesprochen hat er mich im Kaufhaus. So gut aussehend, älter, aber noch junge freche Augen. Nee, nee hab ich gesagt, so einer ist kein Mörder und die Kohle kann ich gebrauchen. Seine Hand streicht über die Glasplatte. Vielleicht hat er ein Schneewittchen-Syndrom. Ich möchte mich anders hinlegen, aber dann sieht er meinen Pickel, besser ich bleibe so. Er raucht, wie andere Leute beten, ne er redet nicht vor sich hin oder schließt die Augen, er schaut in die Leere, als würde er am Horizont was sehen, das langsam näher kommt. Die Sonne ist bald weg. So langsam wird mir kalt. Er merkt das. Er sagt, das er nach unten in die Lobby geht und auf mich wartet, ich soll mir beim Anziehen Zeit lassen. Er geht. Mein Po juckt.
Foto Werner Amann, Werner Amann
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kungshing, Donnerstag, 3. Juni 2004, 21:28
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Purple Hearts
"Man kann nicht begreifen, dass über so zerrissenen Leibern noch Menschengesichter sind, in denen das Leben seinen alltäglichen Fortgang nimmt"
Erich Maria Remarque/Im Westen nichts Neues
Theraphiezimmer in einem Miltitärhospital in Washington. Ein Soldat übt mit seinen neuen Metallgreifern kleine rote Kugeln in eine Schale zu heben. Er will mehr als seine neuen Hände können, an der Schläfe blähen sich die ersten Adern, er läßt die Kugel fallen. Sie rollt durch den Raum vorbei an einen einarmigen Marine, der mit einer Hantel übt, die Kugel bleibt bei einen Blinden stehen, er tritt auf sie und rutscht beinah aus, als Panzerfahrer hätte ihn nicht mal ein Granateinschlag aus dem Gleichgewicht gebracht, eine kleine rote Kugel schafft das. Er tritt gegen sie und sie fliegt durch den Raum, eine junge Frau die nur noch ihren Rumpf hat, beobachtet ihre Flugbahn von einer Turnmatte aus, hinter dem freundlichen Gesicht des Therapeuten verschwindet sie. Der Offizier ohne Ohren und mit der Plastiknase fängt sie, die Augen funktionieren noch, er hält sie einen Moment ganz fest, Schleim tropft aus seinem Mund. Er schnippt sie weg, sie springt über gelbe Quadrate, jeder Kasten einen halben Meter, Schritt für Schritt, Gehübungen für Einbeinige, Himmel und Hölle, kurz am Ende des Feldes rollt sie unter eine Turnmatte. Hier liegen eine Menge rote Kugeln. Auf der Matte sitzt ein junger Soldat neben ihn liegen die Holzkrücken. Pause vom humpeln auf einen Bein, letztes Jahr schafte man locker 100 Liegestütz, fit für die Fahne und stets bereit. In Falluja im August verlor er sein Bein bei einem Feuergefecht, die Wucht die ihn traf war groß das er dachte er sei tot. Seine beiden Kameraden hattten weniger Glück. Scheiß Saddam. Zehn Operationen später sitzt er hier im Hospital und seine Armen sind schwer. Er denkt über den Typ vom Ministerium, der Ihn eine Auzeichnung an die Uniform heftet, komisch sehen Orden bei Neonlicht aus. Ein Purple Heart für ein Bein. Ein Wutschrei läßt alle aufschrecken. Der Soldat mit den Greifarmen hat keine roten Kugeln mehr.
Foto: Nina Berman, die Bilder stammen aus ihrem Buch Purple Hearts
Trolley Books , vertreten wird sie durch die Agentur
Redux Pictures
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kungshing, Mittwoch, 26. Mai 2004, 12:56
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Swiat
Manchmal reicht ein Auslöser und wundert sich hinterher.
Polnische und deutsche Kinder fotografieren ihre Welt. Ein Projekt von Piotr Janowski, Andrzej Stasiuk und MitOst
swiat
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kungshing, Freitag, 21. Mai 2004, 16:55
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